In den Zeiten des großen Web 2.0 Hypes wirken etablierte Techniken wie E-Mail-Marketing fast schon ein wenig angestaubt – Web 1.0, wenn man so möchte. Ist der Eindruck richtig? Hat E-Mail-Marketing mit dem Social Web an Relevanz verloren oder an Möglichkeiten gewonnen? Dieser Artikel stellt einen Versuch da, E-Mail-Marketing und Web 2.0 zu verheiraten.
E-Mail-Marketing ist toll: Zu jeder Zeit erreiche ich für vergleichsweise geringe Kosten eine riesige Zielgruppe mit personalisierten Mailings. Die Messbarkeit ist hierbei gegeben und bietet umfangreiche Auswertungsmöglichkeiten (ich bin an dieser Stelle bereits früher darauf eingegangen).
Allerdings ist E-Mail-Marketing ein klassischer Push-Kanal, über den der Empfänger zwar Daten erhält, aber nicht sofort interagieren kann. Zwar kann er den dort evt. angerissenen Informationen auf die vollständige Version im Internet folgen, aber keinerlei Einfluss auf die ihm angebotenen Informationen nehmen. Dieses One-Way-Ticket läuft dem Gedanken hinter Web 2.0 zuwider. Das Social Web lebt davon, dass alle Besucher auf die angebotenen Informationen Einfluss nehmen können (sei es durch Bewertungen, durch Taggen oder durch Ergänzungen) und somit das Besuchserlebnis der Folgebesucher modifizieren, im günstigsten Falle ändern.
Dies geschieht in der Regel durch Votings, TagClouds, TagFields und weitere Techniken, die so ohne weiteres nicht auf E-Mails übertragbar sind. Dennoch wage ich die Behauptung, dass auch E-Mail-Marketing Interaktivität bietet. In kleinerem Maße wie moderne Web-Portale vielleicht – zugegeben, aber dennoch Interaktivität. Was mich zu der Frage führt: Wie viel Web 2.0 steckt in E-Mail-Markting?
Zum einen sind Mailings in den letzten Jahren technisch deutlich Fortgeschritten – größeren Bandbreiten und sicherererem Umgang mit Technik sei Dank. Moderne E-Mail-Marketingsysteme (etwa der netz98-eigene mailenstein) bieten Features wie Umfragen, die bisweilen direkt in E-Mails eingebettet sind. Nach der Teilnahme an der Umfrage sieht der Empfänger der Nachricht direkt, wie andere Teilnehmer die Fragen beantwortet haben.
Desweiteren sehe ich einen indirekten Kanal, der vielleicht nicht so offensichtlich ist wie das Umfrage-Beispiel. Oft steckt hinter einem vermeindlich einfachen Mailing eine mächtige Software, welche aus dem bekannten Profil des Empfängers eine individuelle E-Mail generiert hat. Von der personalisierten Anrede über die enthaltenen Inhalte bis hin zu den gewählten Themen sind fast alle Merkmale der E-Mail personalisiert. Diese Personalisierung ist das Ergebnis von Auswertungen des Nutzerverhaltens, Daten, die das E-Mail-Marketingsystem in früheren Mailings über den Empänger gesammelt hat.
Läuten nun auch bei Datenschützern die Alarmglocken (unberechtigterweise, denn diese personenbezogenen Daten sind meist vor den Betreibern der Software versteckt und nur der Software selbst bekannt), so ist der Nutzwert unverkennbar: In der täglichen Flut der E-Mails ist die Wahrnehmung gegenüber Newslettern mittlerweile sehr gering. Deshalb haben nur solche Newsletter eine Chance, die dem Empfänger einen echten Mehrwert bieten. Dies kann in der Form eines Informationsvorsprungs geschehen oder aber eben dadurch, dass die inhalte perfekt auf den Empfänger abgestimmt sind. Und das wiederum klingt ganz klar nach Social Web. Schließlich beeinflußt man nicht nur sein eigenes Benutzerprofil sondern auch das Profil anderer Empfänger. Vielleicht erhalten diese eine Produktempfehlung, weil Sie sich für das Produkt interessiert haben und gleiche Interessen wie diese bestimmte Empfängergruppe aufweisen.
Dennoch halte ich es für möglich, dass wir im E-Mail-Marketing einen Paradigmenwechsel erleben. Die großen Portale leben es uns vor, wie man mit Mitbestimmungsrecht der Besucher an Attraktivität gewinnt (auch wenn der Exciting Commerce Blog die Gefahr sieht, dass den Portalen das Wasser abgegraben wird). Dieses Prinzip gilt es nun, in das klassische E-Mail-Marketing zu übertragen. Vielleicht erleben wir ja bald TagClouds in E-Mails, Bewertung von Newslettern oder Taggen von Themen. Einige dieser Möglichkeiten machen, wenn man einmal darüber nachdenkt, sogar richtig Sinn. Nur ist es offensichtlich bislang niemandem eingefallen, diese Themen mit E-Mail-Marketing zusammenzuführen.
Hat eine TagCloud die Funktion, den Besuchern auf einen Blick zu zeigen, welche Themen populär sind, wäre doch auch ein Anmeldeformular zum Newsletter ein geeigneter Anwendungsfall: Die normale Themenliste, wo man per Checkboxen die gewünschten Themengebiete auswählen kann, liesse sich perfekt durch eine TagCloud ersetzen. Auch die Möglichkeit, in Newslettern jeden Beitrag direkt zu bewerten, gäbe wertvollere Hinweise auf die zukünftige Themengestaltung, als Rückschlüsse aus Klickraten dies erlauben. Ein weites Feld, welches uns sicher in den nächsten Jahren noch in Erstaunen versetzen wird.
Wir als Entwickler des E-Mail-Marketingsystems mailenstein jedenfalls tun alles, um Ihnen ein innovatives und zukunftsweisendes System anzubieten, welches sich stets aufs Neue erfindet und die neusten Techniken unterstützt. Sie dürfen gespannt sein…
2 Antworten zu “E-Mail-Marketing 2.0 – Ein Ausblick”
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